“Diesmal folgte eine Stille, die über Stille hinausging.”

Auf unserer Stufenfete bekommen wir von der Stufe neben einem Nachtschicht-T-shirt (knalliges hellblau mit weißer Schrift) auch einen Badge mit Bändchen. Das ist dafür, damit die Security uns erkennt. Und uns nicht rausschmeißt. Und auf uns hört?
Auf jeden Fall kommen auf diesen Badge aus mir unerklärlichen Gründen auch Fotos von uns drauf. Unerklärlich weil: 1. dieser Badge ist nur ein kleines modisches Accessoir (Gott, wie schreibt man das?), welches nicht wichtig ist. Das T-shirt weist uns eigentlich schon aus. Also ist dieser Badge sozusagen nur da, um anzugeben und hat keinen politischen oder rechtlichen Wert. 2. Diese Stufenfete findet in einer Schützenhalle statt. Das heißt, außer diverser Scheinwerfer und Diskobeleuchtung und was weiß ich, wird dort kein Licht vorhanden sein. Außerdem stehen, tanzen, torkeln überall Leute. Selbst wenn Badge und Foto wichtig wären – die Security steht doch nicht mit einer Taschenlampe da und kontrolliert, ob das auch wirklich wir auf dem Foto sind.
Also, heute sollten diese Fotos gemacht werden. Ca. 90 Leute, die zwei Pausen sind jeweils 15 Minuten lang. Selbst in der Annahme, dass mit drei oder vier Kameras fotografiert werden würde, bezweifelte ich noch immer, dass das in dem Zeitraum geschafft werden würde. Selbst wenn nicht jeder dritte mit seinem Foto unzufrieden ist und unbedingt nochmal fotografiert werden möchte.
Vor der zweiten Pause – in der der zweite Deutsch-LK dran gewesen wäre – erfuhr ich dann, dass nicht fotografiert werden würde. T. hat die Akkus ihrer Kamera nicht aufgeladen. “Bitte?” – “Die Akkus sind leer.” – “Ja – von einer Kamera. Wollten die 90 Leute mit nur einer Kamera fotografieren??” – “Offensichtlich.” Bei so etwas zweifele ich an dem Verstand einer 12. Klasse des Gymnasiums. An der technischen Ausrüstung hätte es eigentlich nicht liegen können – so gut wie jeder hat heute eine Digitalkamera. Und das Fetengremium ist nicht klein. Und selbst wenn dieser sooo unwahrscheinliche Fall vorliegen sollte, dass dort wirklich nur eine Kamera vorhanden ist, gibt es in der Stufe immer noch 80 andere Personen, die man fragen kann. Ganz abgesehen von der Schulkamera.
Jetzt ist der Termin auf morgen verschoben worden. Zusätzlich zu einem Gruppenfoto für die Presse. Presse? Welche Presse? Kommen wir in die Presse, wenn wir eine stinknormale Stufenfete ausrichten? Und Gruppenfoto? Von 90 Mann? Ehe man diese 90 Mann einzeln fotografiert? Ich hoffe, dass sie morgen mindestens vier Kameras haben. Ich habe schon überlegt, ob ich vorsichtshalber einfach mal meine mitnehmen sollte. Aber dann hätte ich ihnen die Fotos brennen müssen und blablabla. Und für so etwas habe ich gerade keinen Nerv.

Ich sah mich heute einer ungewohnten Situation gegenüber. Ich habe mich auf die Sportstunden gefreut. Und nicht nur nich. V. und J. auch. Wir alle … sind nicht gerade sportbegeistert. Und wir fieberten auf die heutige Doppelstunde hin und haben den Countdown gezählt. Einfach alle Prinzipien vergessen. Warum? Wir haben mit der Jonglage-Phase angefangen. Ich freu mich, weil ich schon Grundkentnnisse habe und die anderen freuen sich, weil es gegen aller Erwartungen Spaß macht und selbst äh … [Gegenteil von Sportasse, Plural] es lernen können. Gestern haben alle mit Tüchern gelernt (ich hatte die Hälfte der Klasse um mich geschart, der Lehrer die andere Hälfte) und heute hatten wir auch Seile, Zigarrenkisten, Stelzen und ein Einrad da. Ich hatte 4 Paar Bälle und drei Keulen mitgebracht. Eigentlich für mich. Weil ich mir zum Ziel gesetzt hatte, am Ende mit drei Keulen jonglieren zu können. Schließlich ist das ne einmalige Gelegenheit, weil ich in einer Sporthalle Platz und Zeit habe (90 Minuten intensives Üben). Ich kann mittlerweile kurz mit zwei Bällen und einer Keule jonglieren, habe schon meine ersten Versuche mit dreien gemacht. Währendessen waren alle Bälle immer irgendwie vergeben, ziemlich viele wollten mal ne Keule werden und V., die nicht mit Bällen jonglieren kann, ist ebenfalls begeistert von den Keulen.
Viele haben heute in 90 Minuten gelernt, mit drei Bällen zu jonglieren. Nicht gut – sie laufen also immer noch nach vorne und nach drei Durchgängen haben sich die Bälle dann auch sehr von ihrer ursprünglichen Flugbahn entfernt, aber sie haben alle das Prinzip begriffen. Ärgerlich. Ich habe damals vor ca. vier Jahren? Fünf Jahren? zwei Wochen lang mit nur zwei Bällen gespielt, ehe ich mich an drei herntraute. Weil ich dachte, dass man super mit zweien sein müsste, ehe man mit dreien könnte.
Aber ich hoffe, dass ich nächsten Dienstag einmal mit drei Keulen durchjonglieren kann. Heute das mit den zwei Bällen und einer Keule ging richtig flott und mittlerweile habe ich den Dreh raus. Mein Problem bisher ist, dass ich nicht zwei Keulen fangen kann. Man kleiner Finger hat mir die Quetschungen immer noch nicht verziehen.
Wenn ich mit drei Keulen jonglieren kann, versuche ich, ein paar Tricks mit Bällen zu lernen – da kann ich nämlich gar nichts. Eventuell wage ich mich auch an einen vierten ran.
Ich versuche auf jeden Fall, so viel zu lernen, wie möglich. Jonglage ist für mich die Möglichkeit, mal ne gute Note in Sport zu kriegen. Außerdem weiß er, dass ich schon Kentnnisse hatte und verlangt von mir dann gröeßere Fortschritte, als von den anderen.
Muss ich eben noch was zuhause üben. Aber mit den Bällen.

Es kann sein, dass das Baby unten heute gekommen ist (also nicht unten, sondern im Kankenhaus. Aber zukünftig wird es unter uns wohnen.). Vor dem Haus parken ganz viele Autos und laut meiner Mutter war heute morgen ein Gerenne im Treppenhaus los. Wenn ja, ist das kleine Mädchen aber schonmal sehr brav und pünktlich. Und rücksichtsvoll. Ausgerechneter Termin war nämlich am Sonntag und da muss Papa ja seine zweite Theatervorführung machen. “Zeugin der Anklage”. Erste Aufführung ist am Freitag. Ich filme. Morgen auch bei der Generalprobe. Allerdings bin ich mir mit der technischen Sache noch überhaupt nicht sicher. Gespielt wird nämlich ohne Mikros und ich weiß nicht, wie dann der Ton ankommt, wenn ich mit Stativ von hinten aufnehme. Ohne externes Mriko und Superkamera. Und ich weiß auch noch nicht genau, wie ich das mit den Nahaufnahmen machen will. Super vorbereitet. Hmpf.
Naja, ich geh jetzt ins Bett (eigentlich wollte ich das schon vor ner Stunde – aber dann wäre ich ja zwei Tage nicht im Internet gewesen). Die Proben gestern waren recht lange und heute hatte ich 10 Stunden durchgängig. Mit den anstrengendsten Stunden. Nicht anstrengend im sportlichen Sinne, sondern im meditativen. Atmen und immer freundlich lächeln. Man kann eben nicht alle Lehrer mögen.

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