Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street

Es war eine schwere Geburt, bis ich diesen Film sehen konnte. Eine ganz schwere Geburt. Mit den Füßen zuerst, mindestens. Im Kino in Aabenraa wussten sie noch nichtmal, wer oder was Sweeney Todd genau ist, geschweige denn, dass er gezeigt wurde. Dann führte mich das online Programm in Flensburg so in die Irre, dass ich dachte, dass er in dem Zeitraum, in dem ich nach Flensburg kommen könnte, nicht mehr läuft. Als ich dann zwei Wochen später feststellte, dass er doch noch lief (und wieder dieses blöde online Programm), erzählte mir der Kassenheini, dass er (der Film) ab genau diesem Tag nur noch um 23:00 Uhr gezeigt würde und nicht wie vorher auch um 17:00 Uhr. Gnah! Naja, habe ich mich zumindest schonmal auf die DVD gefreut, die ja im April rauskommen soll.
Aber dann fuhr ich ja nach Berlin. In die Hauptstadt Deutschlands. Und es wäre ja peinlich, wenn in keinem der sämtlichen Kinos in Deutschlands Hauptstadt mehr ein Film mit einem singenden Johnny Depp (und Alan Rickmann!) gezeigt werden würde. Aber es war nicht peinlich. Und Mene toll. Also saßen wir Sonntag abend im allerliebsten Cinestar am Sony Center in Saal 7 (ha! Sowas merk ich mir.) in der Kuschelbank in Reihe L und schauten Sweeney Todd auf englisch. Mit salzigem Popcorn. Kann es mehr Liebe geben?

Sweeney Todd und Mrs Lovett
Die Geschichte ist makaber und brutal. Blutig. Barbier kommt nach 15 Jahren Strafaufenthalt in Australien nach London zurück, um sich einerseits wieder mit seiner Familie zu vereinen und andererseits an denen zu rächen, die ihn damals unschuldigerweise auf den fernen Kontinent geschickt haben. Als er jedoch hört, dass seine Frau Selbstmord begangen hat und derjenige Richter, welcher ihn damals verurteilt hatte, seine Tochter gefangen hält, macht es Klick in des Barbiers Kopf und irgendwo rastet etwas ein, das verhindert, dass er noch vernünftig denken kann. Plötzlich gibt es weniger Menschen in London und außerordentlich leckere Pasteten bei Mrs Lovett zu kaufen ((Erinnert mich stark an “Grüne Tomaten” :grin: )).
Wären da nicht Naz’, Tim Burton, Johnny Depp, Helena Bonham-Carter, Alan Rickmann und des Filmes Eigenschaft als Musical, wäre ich wohl nie auf den Gedanken gekommen, mir “Sweeney Todd” anzugucken. Denn, wie gesagt, er ist recht blutig. Und sehr hemmungslos darin, das Blut auch zu zeigen. Die Geschichte ist auch nicht sonderlich kompliziert gestrickt. Das mache ich ihm ausnahmsweise mal nicht zum Vorwurf, da er mit einem Musical als Vorlage nunmal nicht allzu anspruchsvoll sein kann. Allerdings ist zu kritisieren, dass die Geschichte nur so dahinplätschert und es keinen richtigen Spannungsbogen gibt. Der Showdown ist auch recht schnell vorbei. Er mag zwar für einige recht überraschend kommen, aber es war keine richtige Spannung da. ((“Das Phantom der Oper” hat auch eine nur sehr einfache Handlung. Aber das Ende ist dafür richtig schön pompös.)). Außerdem hätte es mehr Abwechslung geben können. Die Handlung wurde für den Film extra so gekürzt, dass die Handlung sich beinahe ausschließlich auf Sweeney Todd und Mrs Lovett konzentriert und Johanna und ihre Liebesgeschichte mit Anthony nur nebensächlich vorkommt. Das finde ich sehr schade. Denn einerseits finde ich es ziemlich unlogisch, dass Todd sich scheinbar kaum für seine Tochter interessiert. Er weiß, dass sie lebt und wo sie lebt, hat aber keinerlei Interesse daran, sie wiederzusehen. Und meiner Meinung nach hat sie eigentlich schon eine wichtige Rolle inne, weswegen es schade ist, dass sie so vernachlässigt wurde. Außerdem wäre der Film wahrscheinlich etwas abwechslungsreicher und spannender geworden, hätte man nicht immer nur dasselbe Gesicht gesehen.
Die Charaktere sind alle herrlich, wobei ich da natürlich nicht sehr objektiv beurteile. Was ich ja immer erstaunlich (und ja, beneidenswert) finde ist, dass alle Leute plötzlich singen können. Auch wenn manche behaupten, dass für den Film nicht gerade die besten Sänger ausgesucht worden wären – was Johnny Depp da mit seiner Stimme macht, ist einfach toll (“erotisch”, wie es Mene ziemlich treffend formulierte). Und Alan Rickmann muss gar nicht erst was mit seiner Stimme machen, damit man mit klingenden Ohren an seinen Lippen hängt. Dass Helena Bonham-Carter singen konnte, weiß ich ja schon seit “Corpse Bride”. Gnihihi, damals war ich ganz enttäuscht, dass Johnny Depp nicht gesungen hat. Und ich habe mich gefragt, ob er es je tun wird. Hihi.
Äh ja. Die Bilder sind toll. Das Titel Design sowieso. Die Beleuchtung war sicher total kompliziert. Bei sämtlichen Making Of-Videos bei YouTube werde ich schon wieder so hibbelig. Ich fordere, dass es eine Fortsetzung gibt (naja, als Filmgucker würde ich wahrscheinlich mega enttäuscht sein), nur damit Naz’ und ich dabei sein können. Ich biete mich als Kameraassistenz und Best Boy an, während Naz’ meine Übersetzerin wird. Das einzige, was ich will, ist kostenlose Kost und Logis. :pflegeleicht:
Was mich in diesem Wunsch noch bestärkt: absolut süßes Interview mit Tim Burton und Johnny Depp und eine von Naz’ gefundene Pressekonferenz, in der unter anderem auf das obige Interview verwiesen wird. Ich verweise erneut auf Alan Rickmanns Stimme. Und gehe jetzt Soundtrack hören. :herzchen:

Tim Burton und Sweeney Todd

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