Bring me that horizon!

Das Forum segelte mit einem großen Ostindienfahrerdingens, das kann ich auch. Wat ist das denn? Nix. Ich nehm das alles ne Version kleiner (aber ohne Klamotte). So klein:

Copyright nicht von mir und so.

Lefa hat Angst vor unfestem, wackelnden Boden und Wasserfan issie schonmal jar net (es sei denn, ich befinde mich auf einem festem, unwackelnden Boden und kann Aussicht über Wasser genießen, obligatorischer Windschutz und Sonnenuntergang werten das Ganze natürlich nochmal auf). Und dann hat sie einen Freund, der ein Segelboot hat und praktisch in diesem wohnt. Dum.

Es sollte mit einem möglichen Zwischenstop von Aarhus nach Frederikshavn gehen. Und ich sehe gerade erst bei GoogleEarth, wie weit das ist. *schluck*

Das Schiff Boot ((Ich sagte immer Schiff, die anderen immer Boot.)) ist sehr hübsch, drei der Mitfahrer sind praktisch in ebendiesem aufgewachsen, vierter und letzter Mitfahrer hat letzte Mitfahrt überlebt, also Augen zu und von Steg aufs Boot gehüpft (diese Schnauze da senkt sich dabei sehr weit nach unten *schluck*). Einmal drauf, ist es ganz nett. Können wir nicht hierbleiben?

So sieht das aus, wenn man Langzeitbelichtungsbilder vom super gemütlichen Hafen von einem Boot aus machen will. Nein, zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht seekrank. *spoiler*

Blöderweise habe ich kein Bild vom Innenleben, aber es ist sehr gemütlich. Und überall tun sich immer wieder Löcher und Stauräume auf. Ah, da ist der Keller (und es gibt doch Bier!). Und eine Lagerkammer für Essen gibt es auch. Zimtkuchenbackmischungen. RitterSport. Besonders Letzteres ist sehr wichtig.

Um 6:30 Uhr am nächsten Morgen standen Skipper A. und Steuermann S. dann auf und wir legten ab. Nach einer Weile gewöhnt man sich an das Motorengebrumm und döst wieder ein. Dann hörte dieses aber einige Zeit später wieder auf und es fängt direkt neben dem Kopf an zu rattern (Segelsetzen und so. Da zieht man heutzutage nicht mehr mit 10 Mann, sondern rollt das Seil auf. :klug:). Und plötzlich schaukelt der unfeste Boden ziemlich auffällig. Da ich mich nun vorher ausführlich über Seekrankheit informiert hatte, beschloss ich, aufzustehen, um direkt von Anfang an einer möglichen Übelkeit vorzubeugen. Das Vorhaben, sich irgendetwas anzuziehen, wird durch den Umstand, dass der Boden sich nicht als eine konstant waagerechte Ebene herausstellte, unwesentlich erschwert. Aber ich meisterte es und schaffte sogar, nach draußen zu krabbeln, ohne mir den Kopf zu stoßen. (Das hört sich einfach ein. Schonmal probiert? Nein? Ha!)

Es ging. Es ging wirklich. Die Wellen waren nicht gerade klein, aber mit Festhalten konnte man es aushalten. Dann fing es an zu regnen. Und dann ging es nur noch in meinem Kopf: “Wir können nicht umkippen, wir können nicht umkippen, wir können nicht umkippen, wir können nicht umkippen!” :mantra:

Schief? Unwesentlich.

Irgendwann kamen dann auch P. und S. (P.s Freund – das ist toll mit den Buchstaben, oder? :mrgreen: ) an Deck, denn bei S. begann sich Seekrankheit bemerkbar zu machen (ich sag ja, dass die Wellen nicht klein waren).
Nun habe ich ja nicht so viel Ahnung vom Segeln, aber aus Expertengesprächen danach erfuhr ist, dass es gar nicht so schlimm war, dass der Wind fast komplett von vorne kam, sondern eher, dass die Wellen von Schweden kamen. Denn irgendwann (wir waren um irgendeine Nase rum) war es dann nicht mehr so entspannt. Neben dem ständigen “Wir können nicht umkippen, wir können nicht umkippen, wir können nicht umkippen!” kam nun ein konzentriertes Auf-den-Horizont-Starren (und bloß nicht auf der falschen Seite, sonst sehe ich, wie schief wir sind!). Es regnete und drinnen purzelte das Inventar durcheinander. Super Einstieg ins Segeltum.
A., S. und P., Segelexperten, hatten überhaupt kein Problem mit dem “Wir können nicht umkippen, wir können nicht umkippen, wir können nicht umkippen!” (Ah, auf Deutsch heißt das auch krängen), sondern waren eher wegen dem Wetter und den Wellen genervt und führten Fachgespräche, wie man am besten kreuzt und von wo Wellen und Wind kommen und so. S., P.s Freund, hatte eine Tablette genommen (die ich in der Schulpause noch eben schnell gekauft hatte) und ich starrte konzentriert auf den Horizont. Richtig schlecht war mir nicht, aber doch etwas mulmig in Richtung Magengegend.

Einige Stunden später (wie – so lange sind wir da rumgeschippert?) mit verschiedenen Segel-, Motor- und Kreuzvariationen beschloss Skipper A., dass wir umkehren und nach Aarhus zurücksegeln. Das ist nicht so nervig und verdirbt den zwei seekranken kæresten an Bord nicht gleich den Spaß am Segeln.
Nachdem wir dann umgedreht und ich mich einmal schön über die Reling gehängt habe (jetzt kann ich immer damit angeben, dass ich mal über einer Reling gehangen habe. Hach, diese Klischees! :ugly:), ging es mir wieder prächtig. Die Wellen waren plötzlich nur noch winzige Dudidudiduuuwellchen, den Rückenwind merkte man kaum, es regnete nicht mehr und wir schossen schnittig und elegant durch die Wellen. Zeit für Brunch.

Während die erste Hälfte des Tages einem “Oh Scheiße, muss ich das mögen?!?!” glich, war die zweite Hälfte ein “Joooaah, daran könnte ich mich durchaus gewöhnen.” P.s S. schlief noch immer wie ein Toter (man kann Tabletten gegen Transportkrankheit gut als Schlafmittel verwenden) und die Stimmung besserte sich (Roggenbrot mit Thunfisch und Gurke! Heißer Kakao!) und die drei Segelexperten beschlossen, etwas zu spielen und den Spinnaker zu setzen. Wir schossen noch mehr elegant und schnittig durch die Wellen und erreichten teilweise mehr als 7 Knoten. Sagt mir nix, aber ist wohl ein ganz gutes Tempo. Und da die Wellen plötzlich so dutzidutziklein waren und der Wind von hinten kam, merkte man gar nichts von der Geschwindigkeit.

Während ich vorher an alles mögliche andere gedacht habe (“Wir können nicht umkippen! Nein, nicht Augen zu machen, der Horizont! Umkippen oder Horizont?”), fand ich nun auch die Muse, mal die Kamera hervorzuholen.

Es war also kein absolut negativer Start meiner Segelkarriere. Es wär nur sehr nett, wenn das Wetter sich dann auch danach richten würde, wenn ich mal wieder ein Boot betreten sollte. Die Rückfahrt war echt cool und wir haben die Strecke in der halben Zeit der Hinfahrt zurückgelegt. Und ich habe den ganzen restlichen Abend noch weiter vor mich hin geschaukelt. Fester Boden ist halt auch nicht immer das, was er verspricht.

4 Responses to “Bring me that horizon!

  • Judith hat einen Freund, aber hat er auch ein Gesicht? :) Naja, die Welten in kleinen Schritten zusammenführen, nichtwahr? BTW: Segeln ist einfach nur geil!

  • Wenn wir es schaffen, den Linuxfilm bis äääh – Freitag fertigzustellen, kriegst du Fotos von vorne zu sehen. :p (Nicht, dass du das noch nicht getan hättest.)

    Das heißt – wir müssten das jetzt die Woche mal irgendwie in Angriff nehmen. Sagt genau die Richtige. (Ich guck dann mal im Terminkalender.)

  • Damit habe ich dir wohl voraus, dass ich schon mal in Frederikshavn war, das müsste im Sommer ’98 gewesen sein, da waren wir östlich von Alborg (an der Küste) im Urlaub und sind auch mal einen Tag nach Frederikshavn und Skagen hochgefahren.

  • Habe ich gesagt, dass ich noch nie in Frederikshavn war? Ich war eigentlich schon an allen möglichen Orten in DK, wir waren da immerhin jahrelang im Urlaub. :stina: (Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht 100% sicher bin, in Frederikshavn schonmal gewesen zu sein, ich gehe einfach davon aus. :ugly:)

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