Das Bild von einem selbst

Ich habe keine sehr positive Meinung zu Selfies oder Instagramprofile, die nur solche veröffentlichen. Am Besten noch aus dem Fitnesscenter. Aber Selbstportraits können auch anspruchsvoll und lehrreich sein, was zum Beispiel auch Fotografin Lara Jade beschreibt. Außerdem kann ich jetzt selber sehen, wie kreativ man werden kann, ohne immer nur die gleichen Duckface-Selfies mit gleichem Framing zu schießen.

[Edit: Passend dazu: One thing you can do to improve your portrait photography von Neil van Niekerk.]

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Das war das erste Mal, dass ich mich selber überwand und mit Absicht vor die Kamera trat. Und dann auch noch so nah dran. Eigentlich wollte ich sehen, wie Portraits mit meinem neuen 50mm-Objektiv aussehen. Mit dem Resultat konnte ich sogar leben und mich getraut, es auf Flickr her zu zeigen.

Die Sache bei Selbstportraits ist, dass man mit großer Wahrscheinlich viel kritischer bei Bildern von sich selber ist als bei Bildern von anderen Menschen. Das kann natürlich gut sein, wenn man härter dafür arbeitet, das perfekte Bild zu bekommen. Aber es kann auch kontraproduktiv sein, wenn man sich zum Beispiel aufgrund von Unzufriedenheiten am eigenen Körper von der Qualität des Fotos ablenken lässt und somit Bilder wegwirft, die andere eventuell als fotogen und gut bezeichnet hätten.

Und ein ganz klarer Vorteil – man kann Dinge schnell und unkompliziert testen, auch wenn man kein Model zur Hand hat. Donnerstag hatte ich die Kamera mit auf der Arbeit, weil ich nachts auf dem Heimweg mit Licht experimentieren wollte. Und auch, wenn ich mir ein bisschen albern dabei vorkam, nachts um 2 Uhr bei Selbstauslöser ganz spontan vor eine Kamera zu rennen (ich hatte mir eigentlich nur den Ort merken wollen, und bin dann aber kurz entschlossen doch noch umgedreht), war es doch eine interessante Erfahrung. Oft sind es einfach die Hemmungen, die einem im Weg stehen, wenn andere das machen, finde ich es nie peinlich ….

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Nachdem wir am Samstag mehr kontrolliert mit einem light Studiesetup experimentiert hatten, und dieses noch nicht komplett weggeräumt hatten, bekam ich dann Lust, meine eigenen Grenzen noch weiter auszutesten und mich erneut zu neuen Dingen “zwingen”. Ich wollte eigentlich schon immer mehr Übung und Erfahrung mit (auch kreativen) Portraits bekommen, habe es aber bish auf einige halbherzige Versuche nie hinbekommen, Situationen zum Üben in die Wege zu leiten. Und sich in der Fantasie verschiedene Setups vorzustellen, hilft einem nicht viel, wenn man sie in der Realität dann nicht umsetzt.
Und da sind Selbstportraits sehr praktisch. Man kann Dinge austesten und sicherer in seiner Sache werden, und kann sich dabei all die Zeit der Welt nehmen, so viel rumspielen wie man will und theoretisch auch aussehen, wie man will. Was man danach mit den Fotos macht, ist natürlich einem selbst überlassen.

Da ich gerne mit Blitz und Hintergrubd spielen wollte, fühlte sich das Setup wieder viel grenzüberschreitender an, als zum Beispiel das erste Selbstportrait, dass theoretisch auch ein bisschen als Snapshot gelten könnte. Bei einem Studiosetup wirkt alles direkt künstlicher und gestellter, und man kommt sich sehr zur Schau gestellt vor, und zweifelt, ob man sich damit nicht auch zum “Typischen Selfie-Typ” macht.
Bei dem zweiten Bild war es weniger komisch, dass ich selber zu sehen war, da man eigentlich nur die Silhouette sieht, aber da fühte sich eher die ganze Situation drum herum als eine Herausforderung an.

Die Idee zu den nachfolgenden Bildern kam mir durch den Hut meiner Mitbewohnerin, der schon immer im Flur hing. Außerdem bin ich noch immer Fan meiner roten Haare.

selfportrait2

selfportrait3

Auch wenn ich die Bilder mag und an mir selber merke, wie ich mehr über Portraits, Gesichter, Winkel und Licht lerne, werde ich es wohl nicht besonders toll finden, mich selber beurteilen und später bearbeiten zu müssen. :P
Aber mei, das Licht! *ganz klein wenig stolz*

    Ausrüstung

  • Schwarzer Papphintergrund (der nicht ganz sauber/glatt war, daher die Textur. Die mochte ich aber, und habe den Hintergrund deswegen nicht komplett schwarz gemacht.)
  • Speedlight von rechts mit einem black foamie thing um Licht vom Hintergrund abzuschirmen
  • Silberner Reflektor links
  • Canon 6D auf Stativ von vorne (doh!)

9 Responses to “Das Bild von einem selbst

  • Lefa, die Portraits sind dir sehr gut gelungen!

    Der Hut steht dir gut.

    • Danke, Una! Ja, Hüte sind classy, aber mir einfach zu unpraktisch. Der hier würde mir ja beim skandinavischen Wind dauernd wegfliegen!

  • Das erste Bild häng ich mir übers Bett. ♥

  • “[Bild]
    Das war das erste Mal, dass ich mich selber überwand und mit Absicht vor die Kamera trat. Und dann auch noch so nah dran. Eigentlich wollte ich sehen, wie Portraits mit meinem neuen 50mm-Objektiv aussehen. Mit dem Resultat konnte ich sogar leben und mich getraut, es auf Flickr her zu zeigen.”

    Aber hallo.
    Das.
    Ding.
    Ist.
    Der.
    Hammer.

    Ohne die beiden Hutbilder runtermachen zu wollen. Die sind auch SEHR SEHR toll.

    • Danke! :o

      Das Feedback, das ich kriege, ist ja sehr interessant.

  • …womit hast du denn gerechnet?

    • Mit nichts Konkretem eigentlich, aber das viele positive Feedback zu dem ersten Foto überrascht mich dann doch etwas.

  • Ich mag die Formen auf dem ersten Hut-Bild unheimlich. Und mit dem Rauchartigen im Hintergrund wirkt’s gleich doppelt interessant – wie als hätte’s auf einmal Plopp gemacht und du wärst aus dem Rauch aufgetaucht.

    Bei dem ersten Portrait kann ich mich den Vorrednern nur anschließen. Gerade die abgeschnittene Variante (also nicht die bei Flickr) ist phantastisch, weil der Blick des Betrachters so auf deine Augen gelenkt wird, und die richtig fesseln. Hut ab/auf! =)

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