Distortion

Copenhagen Distortion ist eine Mischung aus Festival und Straßenfest, und ein Event, auf den sich viele junge Kopenhagener und Dänen das ganze Jahr freuen. Distortion gibt es schon seit einigen Jahren, seit 2008 ist es eines der größten Musikereignisse in Dänemark. Das Konzept basiert auf Mobilität – es findet immer ein paar Tage im Juni statt, aber jeden Tag woanders. Früher waren es die verschiedenen Stadtteile, die einen Nachmittag fast komplett abgesperrt werden und somit Platz für viele verschiedene Straßenfeste Platz boten. Da die Konzerte und Auftritte erst um 16 Uhr anfangen und um 21 Uhr aufhören, feiern viele Dänen begeistert nach Arbeit und Schule. In dieser Zeit schaffen sie es aber trotzdem oft, sich ziemlich abzuschießen und die Festival-Atmosphäre kommt daher, dass die meisten ihre Hemmungen verlieren, man dicht gedrängt mit anderen Menschen zusammen ist, auf der Straße rumsitzt und chillt oder aufgrund von mangelnden oder ekligen Toilettenverhältnissen sich gegenseitig vor Blicken beim Pinkeln in Häuserecken schützt. Die Vibes und Atmosphäre sind also sehr positiv und ausgelassen, gleichzeitig ist es aber auch unheimlich dreckig, und wenn man nicht gerade Lust darauf hat, dass Menschen direkt vor der Wohnungen ihre Hemmungen los lassen oder die Blase leeren, sicherlich auch sehr unangenehm.
Deswegen ist die Stimmung zu Distortion glaube ich sehr ähnlich wie zu Karneval in den großen Karnevalsstädten: entweder man liebt es und liebt es, in dem Gebiet zu wohnen – oder man ist an den Tagen jedes Jahr im Urlaub. Dass die Musik hauptsächlich elektronisch ist, der Altersdurchschnitt relativ niedrig und die Zigaretten anscheinend nicht immer nur Zigaretten (habe ich mir sagen lassen :noob:), ist das Festival wahrscheinlich hauptsächlich für ältere und Familien, die in diesen Stadtteilen wohnen, ein Dorn im Auge. Und der Gemeinde, die danach alles wieder aufräumen und abspulen muss.

Bisher habe ich Distortion noch nie direkt mit erlebt, weil mich einfach elektronische Musik nicht sehr interessiert. Aber dieses Jahr war es an den Tagen sehr warm und wir schnappten uns unsere Kameras und machten uns auf in die Menschenmassen. Mein neues Objektiv hat sich super geschlagen und ich mag vor allem das weiche Bokeh und wie die Menschen nicht merken, dass ich von ihnen Fotos mache, in der Nachmittagssonne. Auf der anderen Seite war das Objektiv natürlich auch ziemlich groß und nicht unbedingt praktisch, wenn man in der dichten Menschenmasse war.
Eine interessante andere Methode wählte Instagrammer Jeffrey Hunter, der seine Fotos anscheinend mit einem weitwinkligeren Objektiv und zum Teil Blitz machte und dabei mehr mit den Leuten in Interaktion trat, sodass die verrückte Stimmung deutlicher wurde. Die Fotos kann man hier sehen.

Aber jetzt meine Fotos:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *